Positionspapier Corona

Omas Gegen Rechts zu den Protesten gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie

Der Ausbruch der Pandemie auch bei uns in Deutschland und Europa hat unser aller Leben schnell und drastisch verändert. Als Omas und somit als ältere Frauen sind viele von uns schon aufgrund ihres Alters der „Risikogruppe“ zuzuordnen. Viele haben ihre Sozialkontakte auf das Minimum beschränkt, können ihre Kinder und Enkel nicht treffen, mussten ehrenamtliche Tätigkeiten zurückfahren, auf Geselligkeit und Hobbies verzichten. Wie für alle gehören Gesichtsmasken und sozialer Abstand nun zu unserem Alltag. Demonstrationen, in der Öffentlichkeit als Omas auftreten, ist uns derzeit nur eingeschränkt möglich. Andere Protestformen und Formen öffentlicher Statements wurden erprobt, ersetzen aber natürlich nicht unsere Präsenz in der Öffentlichkeit.

Omas Gegen Rechts tragen diese Einschränkungen der persönlichen Freiheit mit. Wir begreifen diesen Verzicht als einen Akt der Solidarität. Wir schränken uns alle ein, um alle zu schützen. Im Sinne unseres Grundgesetzes stellen wir den Wert jedes einzelnen Lebens an die erste Stelle. Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art.1, Absatz1) und jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art.2, Absatz2). Wir haben keine Sorge, dass uns in unserer Demokratie diese Rechte nicht wieder zurückgegeben werden, da die Einschränkung auf klarer gesetzlicher Grundlage erfolgt ist. Wiewohl wir natürlich wachsam sind und bleiben und diese Prozesse aufmerksam verfolgen.

Einzelne Maßnahmen beobachten und begleiten wir kritisch, beispielsweise die Besuchsregelungen in Alten- und Pflegeheimen, die Situation von Menschen mit Behinderungen, die Schließung der Kitas und Schulen, die Belastung gerade der Frauen durch die Folgen der Krise. Als Frauen und Omas Gegen Rechts warnen wir vor einer schleichenden Re-Traditionalisierung. Wir sehen Frauen in ihren„typischen“ pflegenden, versorgenden und Service-Berufen in besonderem Maße in der Krise gefordert, aber nicht selbstverständlich anerkannt und wertgeschätzt.

Ein wichtiges Anliegen und Ausdruck der Solidarität ist es für uns, die globale Situation nicht aus den Augen zu verlieren. Nach wie vor flüchten Menschen übers Mittelmeer, leben unter menschenunwürdigen Zuständen in den Lagern in Libyen und auf den griechischen Inseln. Nach wie vor hungern Menschen in vielen Ländern der Welt. Diese Situation wird sich verschärfen. Omas Gegen Rechts treten ein für eine Solidarität, die über nationale Interessen und Grenzen hinausreicht.

In Ungarn und Polen, in Brasilien sehen wir, dass die Pandemie genutzt wird, um autoritäre Herrschaftssysteme zu verstetigen.

Wir sehen mit Sorge, dass sich bei uns gerade eine Protestbewegung manifestiert, die eine ähnliche Entwicklung bei uns als Gespenst an die Wand malt. Ausgehend von Berlin mit den sogenannten „Hygienedemos“ greift diese Art des Protestes in vielen Städten und Regionen Raum. Obwohl ja aktuell gerade viele Lockerungen der Einschränkungen beschlossen und umgesetzt werden, ist die Unzufriedenheit dennoch groß. Wir sehen, dass die Organisatoren und Akteure dieser Demos oft im neurechten Spektrum zu verorten sind. Sowohl Rechtsextreme, als auch Verschwörungstheoretiker und -mythenerzähler treten hier auf. Schutzgebote

werden nicht oder nur halbherzig umgesetzt. Das ist nicht die Protestform der Omas Gegen Rechts.

Wir stellen uns nicht neben die, die wir gestern noch vehement bekämpft haben. Wenn wir Maßnahmen zur Eindämmung kritisch betrachten, so bringen wir uns an passender Stelle ein.

Wir lassen uns nicht instrumentalisieren.

  • Omas Gegen Rechts versammeln sich nicht gemeinsam mit Pegidisten, Reichsbürgern, Verschwörungsgläubigen oder der AfD.
  • Omas Gegen Rechts demonstrieren im Rahmen der geltenden Regeln und erfolgter Genehmigungen.
  • Omas Gegen Rechts treten ein für persönliche, gesellschaftliche und globale Solidarität.
  • Omas Gegen Rechts stehen in der Krise an der Seite der Schwachen und benennen Ungerechtigkeiten, wo immer diese auftauchen.
  • Omas Gegen Rechts begreifen die Krise als Chance und setzen sich auch weiterhin für eine friedliche, solidarische, gerechte und menschenfreundliche Welt ein.