Moria – die unendliche Geschichte

Die unmenschliche Lage der Menschen in Moria lässt uns keine Ruhe. Auch wenn wir uns wiederholen, wir geben keine Ruhe, bis sich die Lebensumstände dieser Menschen massgeblich verbessert haben. Anna Ohnweiler hat einen offenen Brief an die Bundesregierung verfasst, in welchem sie nochmals auf die Situation der Menschen in Moria und die besondere Verantwortung der EU hinweist.

Offener Brief an die Bundesregierung 

Sehr geehrte Damen und Herren der Bundesregierung,

zwei Drittel der ehemaligen Flüchtlinge, darunter viele Kinder, des abgebrannten Lagers Moria sind jetzt zum Teil gegen ihren Willen in einem provisorisch auf einem ehemaligen Militärgelände errichteten Zeltlager untergebracht.

Das kann doch nicht die Lösung sein, nicht die europäische und schon ganz und gar nicht die deutsche.

Man weiß, dass der Boden auf einem Gelände, welches militärisch genutzt wurde, in der Regel schwer schadstoffbelastet ist. Die Zelte, welche hier errichtet wurden, stehen auf dem nackten Boden, selbst eine Zeltplane als Bodenschutz fehlt.

Und hier sollen Familien mit Kindern leben? Wie lange noch?

Schon längst werden die Lager, welche sich auf den griechischen Inseln befinden, ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht mehr gerecht? Oder wurden sie uns nur als Erstaufnahmelager zur Registrierung der Flüchtlinge verkauft, damit sie weiterverteilt werden können? War es von Anfang an klar, dass sie dazu dienen, Flüchtlinge von Europa fernzuhalten?

Wenn dem so ist, müssten sie in Internierungslager umbenannt werden, in welchen Menschenrechte und Menschenwürde gröblich verletzt werden, denn dem entspricht die aktuelle Vorgehensweise. Ist dann die Genfer Flüchtlingskonvention nur Makulatur?

Das ist kein tragbarer Zustand und einer Staatengemeinschaft unwürdig, welche Menschenrechtsverletzungen überall auf der Welt anprangert.

Auch wenn es Alleingänge sind, darf Deutschland nicht länger warten, schon gar nicht so lange, bis sich auch nationalistisch geprägte Staaten bewegen.

Wir haben so viel Platz, sodass wir den Menschen in Moria helfen können, indem wir sie bei uns aufnehmen.

Deutschland darf nicht so lange warten, bis in den Geschichtsbüchern steht, dass von diesem Land am Rande Europas Internierungslager betrieben wurden, in welchen Familien mit Kleinkindern untergebracht waren und unter erbärmlichen Umständen über Jahre dort ausharren mussten.

Wir wissen schon, dass es so viele Flüchtlingslager in der Welt gibt und Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen kann. Doch Moria liegt in der EU und demnach in unserer Verantwortung.

Wir haben Platz! Städte und Kommunen wollen aufnehmen.

Herr Innenminister, geben Sie Ihre Blockadehaltung auf, denn die 1553 aufzunehmenden Flüchtlinge, auf welche Sie sich haben erweichen lassen, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Aufnahme aller Flüchtlinge des Lagers Moria hätte ein Zeichen setzen können. Auch wenn Sie immer wieder betonen, dass sich 2015 nicht wiederholen darf, rechtfertigt es Ihre jetzige Vorgehensweise nicht. Wir haben nicht 2015 und die Flüchtlinge, von denen wir sprechen, sind schon seit vielen Monaten in Europa, allerdings harren sie auf dem Fußabstreifer der Union aus.

Wir ALLE haben Kinder und Enkelkinder und können angesichts dieser Zustände nicht mehr tatenlos zusehen, da wir später von unseren Nachkommen nicht gefragt werden wollen: Was habt ihr dagegen getan?

Diese Frage haben wir unseren Eltern und Großeltern oft gestellt und nicht immer eine Antwort erhalten.

Wir, die OMAS GEGEN RECHTS in Deutschland möchten Ihnen vertrauen und hoffen immer noch, dass Sie aktiv werden.

Mit freundlichen Grüßen

Anna Ohnweiler

Omas gegen Rechts Deutschland e.V.